Heinz Vettermann

Wiener Gemeinderat aus der Josefstadt

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Kinderfasching Josefstadt

Gute Laune beim Kinderfasching in der Josefstadt mit 250 BesucherInnen.:-)…..Danke Musisches Zentrum und Kinderfreunde

Gepostet von Heinz Vettermann am Samstag, 16. Februar 2019

Podcast

Klaus Werner Lobo hat mit mir seinen dritten Podcast aufgenommen. Es geht um Politik, Buddhismus und was ich mag/liebe etc.

Achtsamkeit und Politik

Rein wörtlich kommen beide Worte aus unterschiedlichen Quellen:

  • Politeia- Staat, Gesellschaft kommt im Dialog von Platon vor, auch im Sinne von Gerechtigkeit und einen Bezug zu Sokrates (allgemein verbindliche Menschenregeln für das Zusammenleben)
  • Achtsamkeit kommt von Sati einem Paliwort für Gewahrsein im Englischen durch ein Kunstwort „Mindfulness“ übersetzt, im Deutschen schwierig weil „Achtsamkeit“ auch im Sinne von Konzentration verwendet wird.

Wenn Politik mehr im Sinne von Parteipolitik verwendet wird gibt es Spannungen, aber auch Berührungspunkte von Achtsamkeit im buddhistischen Verständnis und von politischer Tätigkeit.

Für mich als Zen-Praktizierender ist das Bodhisattva-Ideal ein Ansporn weil es dabei darum geht möglichst alle Lebewesen zu „erretten“, das hat einen spirituellen Aspekt, aber mit Sicherheit auch einen gesellschaftspolitischen Teil.

Schon der Buddha hat darauf hingewiesen das ein Hungernder zuerst essen und schlafen muss und erst danach Belehrungen empfangen soll..

Der „engagierte Buddhismus“ ist zwar nicht parteipolitisch aber gesellschaftspolitisch aktiv, indem gute Samen verbreitet werden. Z.B. im persönlichen Handeln, wie Mehrwegflaschen statt Kunststoff oder…, und, dass Wahrheiten wie „Glück kommt von positiven“Beziehungen“, die von der modernen Hirnforschung bestätigt werden, auch gelebt werden.

Gerechtigkeit mindert Störgefühle wie Hass, Wut und vor allem Angst, diese blockieren eine persönliche Weiterentwicklung und erschweren das innerliche Loslassen. Auch aus diesen Gründen ist eine gerechte Verteilung anzustreben. Umgekehrt ist das Ausleben von Gier durch Spekulation und Akkumulation von Riesenvermögen aus buddhistischer/achtsamer Sicht eine leidbringende Handlungsweise (oft für die Akteure selbst und natürlich für die riesige Menge an Betroffenen). Daher ist eine Umverteilung und Absicherung durch Sozialpolitik, Krankenversicherung und Pensionen auch aus achtsamer Sicht wünschenswert um die innere und äußere Freiheit zu schaffen in der Achtsamkeit gedeihen kann.

Aus buddhistischer Sicht kann es nur darum gehen eine geistige Hegemonie anzustreben, in der Werte wie Achtsamkeit, Mitgefühl aber auch Weisheit, im Sinne von erkennen was ist, führend sind. Damit können die momentanen Werte der Ellbogengesellschaft abgelöst werden. Dieser Prozess kann nur dauerhaft erfolgreich sein wenn er friedlich und gewaltfrei im Sinne von Gandhi passiert, der aber eben nicht still und stumm alles ertragen hat, sondern aktiv an der Umgestaltung der Gesellschaft gewirkt hat.

Diese Werte sollten möglichst in allen Gruppierungen vertreten sein, zumindest in den demokratischen, daher lehne ich eigene buddhistische Parteien ab. Die Beispiele wie in Japan sind auch nicht ermutigend.(eher rechts und nationalistisch) Es kann auch nicht darum gehen einer Partei eine dauerhafte Vormachtstellung zu sichern, sondern sicherzustellen dass zum Wohle aller Wesen gehandelt wird.

Natürlich ist ein Engagement bei Bürgerinitiativen, die meist klein und überschaubar sind oder den Gewerkschaften, die größer und umfassender sind wertvoll und Achtsamkeit können und sollen auch hier gelebt und eingebracht werden.

Gerade die achtsame Herangehensweise kann hier hilfreich sein um ohne Überforderung der politischen Akteure heilsame Schritte zu setzen. Bei den Silas, den Geboten oder Anregungen im Buddhismus ist der Beginn oft mit „Ich übe mich darin“… eingeleitet. Das Üben bedeutet Du kannst vielleicht vom Weg abkommen, aber damit ist nicht alles verloren und der nächste geduldige Schritt wird wieder in die richtige Richtung versucht.

Unser Bemühen sollte daher sein nicht sprichwörtlich über „Leichen“ zu gehen sondern auf sich selbst und auf andere schauen. Gleichzeitig sollten wir versuchen auch mit der Umwelt verbunden zu sein. Gerade im Buddhismus ist diese Verbundenheit und Verflochtenheit von allem sehr gut dargestellt.

Für eine Politik der Nachhaltigkeit und ökologischen Kreislaufwirtschaft geben diese Grundhaltungen ein stabiles Wertegerüst und wenn es durch Meditation und buddhistische Praxis gelingt diese Verbundenheit innerlich zu realisieren ist auch eine starke persönliche Motivation gegeben um nachhaltig zu leben.

Achtsame Politik ist daher genauso möglich/unmöglich wie achtsames Wirtschaften im Kapitalismus (Werbung und Konkurrenz), oder achtsame Beziehungen in denen auch bei BuddhistInnen Seitensprünge, Trennungen und Scheidungen vorkommen. Spannungen gibt es in diesen Feldern natürlich, sie zu erkennen und anzunehmen kann die Freiheit schaffen, Achtsamkeit und Mitgefühl wirken zu lassen.

Bei einem politischen Engagement ist auf alle Fälle zu bedenken dass, das Recht Parteien zu gründen und z.B. Versammlungsfreiheit, Demonstrations-, Streik- und Wahlrecht historisch den Herrschenden abgerungen wurden und in Diktaturen verboten sind. Heute sind Parteien und demokratische Regierungen häufig die wichtigste Gegenmacht zu anderen Kräften wie große Medien, Konzerne, Spekulanten etc. (häufig auch machtlos oder auch Komplizen). Ob in einer Partei achtsames Handeln möglich ist muss persönlich im Einzelfall entschieden werden. Diese Frage stellt sich natürlich bei allen anderen Gruppierungen und Basisinitiativen ebenfalls. Wer sich nicht nur auf seinem Kissen die Welt schön meditiert sondern versucht achtsam zu leben wird um ein für sie/ihn passendes Engagement schwer herumkommen.

Daher bedeutet sich gesellschaftlich betätigen, positive heilsame Samen zu verbreiten, wie z.B. in der achtsamen Wirtschaft oder in Bürgerinitiativen oder Gewerkschaften oder in Parteien. Hier ist das Interesse, die Zeit und die Kraft der/des Einzelnen die Richtschnur.

Politik geschieht auf alle Fälle, aber achtsam wird sie wahrscheinlich nur mit uns.

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