Heinz Vettermann

Wiener Gemeinderat aus der Josefstadt

Kategorie: Buddhismus

Achtsamkeit und Politik

Rein wörtlich kommen beide Worte aus unterschiedlichen Quellen:

  • Politeia- Staat, Gesellschaft kommt im Dialog von Platon vor, auch im Sinne von Gerechtigkeit und einen Bezug zu Sokrates (allgemein verbindliche Menschenregeln für das Zusammenleben)
  • Achtsamkeit kommt von Sati einem Paliwort für Gewahrsein im Englischen durch ein Kunstwort „Mindfulness“ übersetzt, im Deutschen schwierig weil „Achtsamkeit“ auch im Sinne von Konzentration verwendet wird.

Wenn Politik mehr im Sinne von Parteipolitik verwendet wird gibt es Spannungen, aber auch Berührungspunkte von Achtsamkeit im buddhistischen Verständnis und von politischer Tätigkeit.

Für mich als Zen-Praktizierender ist das Bodhisattva-Ideal ein Ansporn weil es dabei darum geht möglichst alle Lebewesen zu „erretten“, das hat einen spirituellen Aspekt, aber mit Sicherheit auch einen gesellschaftspolitischen Teil.

Schon der Buddha hat darauf hingewiesen das ein Hungernder zuerst essen und schlafen muss und erst danach Belehrungen empfangen soll..

Der „engagierte Buddhismus“ ist zwar nicht parteipolitisch aber gesellschaftspolitisch aktiv, indem gute Samen verbreitet werden. Z.B. im persönlichen Handeln, wie Mehrwegflaschen statt Kunststoff oder…, und, dass Wahrheiten wie „Glück kommt von positiven“Beziehungen“, die von der modernen Hirnforschung bestätigt werden, auch gelebt werden.

Gerechtigkeit mindert Störgefühle wie Hass, Wut und vor allem Angst, diese blockieren eine persönliche Weiterentwicklung und erschweren das innerliche Loslassen. Auch aus diesen Gründen ist eine gerechte Verteilung anzustreben. Umgekehrt ist das Ausleben von Gier durch Spekulation und Akkumulation von Riesenvermögen aus buddhistischer/achtsamer Sicht eine leidbringende Handlungsweise (oft für die Akteure selbst und natürlich für die riesige Menge an Betroffenen). Daher ist eine Umverteilung und Absicherung durch Sozialpolitik, Krankenversicherung und Pensionen auch aus achtsamer Sicht wünschenswert um die innere und äußere Freiheit zu schaffen in der Achtsamkeit gedeihen kann.

Aus buddhistischer Sicht kann es nur darum gehen eine geistige Hegemonie anzustreben, in der Werte wie Achtsamkeit, Mitgefühl aber auch Weisheit, im Sinne von erkennen was ist, führend sind. Damit können die momentanen Werte der Ellbogengesellschaft abgelöst werden. Dieser Prozess kann nur dauerhaft erfolgreich sein wenn er friedlich und gewaltfrei im Sinne von Gandhi passiert, der aber eben nicht still und stumm alles ertragen hat, sondern aktiv an der Umgestaltung der Gesellschaft gewirkt hat.

Diese Werte sollten möglichst in allen Gruppierungen vertreten sein, zumindest in den demokratischen, daher lehne ich eigene buddhistische Parteien ab. Die Beispiele wie in Japan sind auch nicht ermutigend.(eher rechts und nationalistisch) Es kann auch nicht darum gehen einer Partei eine dauerhafte Vormachtstellung zu sichern, sondern sicherzustellen dass zum Wohle aller Wesen gehandelt wird.

Natürlich ist ein Engagement bei Bürgerinitiativen, die meist klein und überschaubar sind oder den Gewerkschaften, die größer und umfassender sind wertvoll und Achtsamkeit können und sollen auch hier gelebt und eingebracht werden.

Gerade die achtsame Herangehensweise kann hier hilfreich sein um ohne Überforderung der politischen Akteure heilsame Schritte zu setzen. Bei den Silas, den Geboten oder Anregungen im Buddhismus ist der Beginn oft mit „Ich übe mich darin“… eingeleitet. Das Üben bedeutet Du kannst vielleicht vom Weg abkommen, aber damit ist nicht alles verloren und der nächste geduldige Schritt wird wieder in die richtige Richtung versucht.

Unser Bemühen sollte daher sein nicht sprichwörtlich über „Leichen“ zu gehen sondern auf sich selbst und auf andere schauen. Gleichzeitig sollten wir versuchen auch mit der Umwelt verbunden zu sein. Gerade im Buddhismus ist diese Verbundenheit und Verflochtenheit von allem sehr gut dargestellt.

Für eine Politik der Nachhaltigkeit und ökologischen Kreislaufwirtschaft geben diese Grundhaltungen ein stabiles Wertegerüst und wenn es durch Meditation und buddhistische Praxis gelingt diese Verbundenheit innerlich zu realisieren ist auch eine starke persönliche Motivation gegeben um nachhaltig zu leben.

Achtsame Politik ist daher genauso möglich/unmöglich wie achtsames Wirtschaften im Kapitalismus (Werbung und Konkurrenz), oder achtsame Beziehungen in denen auch bei BuddhistInnen Seitensprünge, Trennungen und Scheidungen vorkommen. Spannungen gibt es in diesen Feldern natürlich, sie zu erkennen und anzunehmen kann die Freiheit schaffen, Achtsamkeit und Mitgefühl wirken zu lassen.

Bei einem politischen Engagement ist auf alle Fälle zu bedenken dass, das Recht Parteien zu gründen und z.B. Versammlungsfreiheit, Demonstrations-, Streik- und Wahlrecht historisch den Herrschenden abgerungen wurden und in Diktaturen verboten sind. Heute sind Parteien und demokratische Regierungen häufig die wichtigste Gegenmacht zu anderen Kräften wie große Medien, Konzerne, Spekulanten etc. (häufig auch machtlos oder auch Komplizen). Ob in einer Partei achtsames Handeln möglich ist muss persönlich im Einzelfall entschieden werden. Diese Frage stellt sich natürlich bei allen anderen Gruppierungen und Basisinitiativen ebenfalls. Wer sich nicht nur auf seinem Kissen die Welt schön meditiert sondern versucht achtsam zu leben wird um ein für sie/ihn passendes Engagement schwer herumkommen.

Daher bedeutet sich gesellschaftlich betätigen, positive heilsame Samen zu verbreiten, wie z.B. in der achtsamen Wirtschaft oder in Bürgerinitiativen oder Gewerkschaften oder in Parteien. Hier ist das Interesse, die Zeit und die Kraft der/des Einzelnen die Richtschnur.

Politik geschieht auf alle Fälle, aber achtsam wird sie wahrscheinlich nur mit uns.

Achtsamkeit

Viele Menschen in unserer heutigen Zeit haben den Bezug zu sich und der Umwelt verloren. Ein Mittel den Kontakt wieder herzustellen ist die Schulung von Achtsamkeit.

Einige Gedanken zur Weihnachtszeit – abseits von tagespolitischer Aktualität.

Meine Beschäftigung mit dem Thema resultiert sowohl von meinen politischen und gesellschaftlichen Aktivitäten wie in meiner Jugend Schülervertreter und danach Jugendvertrauensrat bis zu meinem heutigen Mandat als Landtagsabgeordneter und Gemeinderat in Wien. Durch zeitliche Überlastung habe ich mich früh mit Yoga und autogenem Training beschäftigt um körperliche und mentale Ausgeglichenheit zu üben. Durch ein intensives Erlebnis bei einer Yoga-Meditation setzte ich mich mit dem Zen-Buddhismus durch Lesen von Büchern auseinander. An meinem 40ten Geburtstag beschloss ich Zen auch wirklich zu praktizieren weil ich sonst in diesem Leben vermutlich nicht mehr begonnen hätte. Ich übe seither regelmäßig in der Zen-Tradition von“ Sanbo-Kyodan“, einer japanischen Zen- Gruppe. In Wien praktiziere ich in der Zen-Gruppe Wien, die Christen, Buddhisten und spirituell Interessierte umfasst.  Im Moment beteilige ich mich unter anderem auch an der Arbeitsgruppe „Achtsame Wirtschaft“  und versuche mitzuhelfen eine Wiener Gruppe aufzubauen. Um das Thema Achtsamkeit auch in die Wirtschaft zu tragen. Durch die vielen Aktivitäten im politischen und buddhistischen Zusammenhang merke ich die positiven Früchte einer fünfzehnjährigen Übung, die im Alltag versucht Achtsamkeit zu kultivieren an mir selbst, im wahrsten Sinne am eigenen Leib.

Gerade in den letzten Jahren ist der Druck in der Arbeitswelt sowohl durch die wirtschaftliche Krise und den damit verbunden Rationalisierungen gestiegen als auch die Menge an Informationen und die Geschwindigkeit mit der sie auf uns einprasseln. Der Leidensdruck der Überforderten steigt und gleichzeitig fühlen Arbeitslose und am Rande stehende eine gähnende Leere. Im persönlichen Bereich kann Achtsamkeit helfen aktiv zu bleiben und weder durch Über- oder Unterforderung gelähmt zu werden. Das ist notwendig wenn man sowohl persönlich sich selbst als auch politisch die Umwelt verändern möchte. 

Dauerhafte Ablenkung reißt die Aufmerksamkeit solange hin und her bis gar keine Konzentration mehr stattfinden kann. 

Dem entgegenzuwirken bedeutet möglichst bewusst nur eines zu tun, nur Tee trinken, nur lesen, nur Texte schreiben etc. und damit den Fokus ganz auf die jeweilige Tätigkeit zu richten. Falls möglich die Tätigkeit auch ganzheitlich wahrnehmen; beispielweise meine Hand schmerzt vom Schreiben am Computer, der Rücken verlangt nach einer Streck- und Dehnpause, der Tee duftet.

Diese Übung geht einher mit dem Versuch auch im weiteren Sinne achtsam gegen sich selbst zu sein, ein Gewahrsein von ‚was spüre ich?‘, ‚was fühle ich?‘, ‚was brauche ich jetzt?‘.

Denn auch die Entfremdung von sich selbst ist heute immer häufiger und damit verbunden ist die Gefahr, ein Ersatzleben von der Werbung diktiert zu bekommen. Obwohl man bei dem Versuch sich wahrzunehmen nicht stehenbleiben soll – denn es geht ja um das Wohl auch der Anderen und der Umwelt – ist die Bewusstheit von meinen inneren Prozessen ein notwendiger Ausgangspunkt um sich positiv nach außen öffnen zu können.

Hier kommt die Meditation und Innenschau ins Spiel.

Zwar geht es in der Zen-Meditation letztendlich darum seine wahre Natur zu erkennen und das Ich als Illusion zu erkenne, aber am Anfang steht der Versuch Klarheit zu gewinnen über Prozesse die in mir ablaufen.

Der chinesische Zen-Meister Rinzai (Lin Ji) beschreibt in seinen berühmten „Vier Ansichten“ verschiedene Zustände der Wahrnehmung. Eines Abends sprach der Meister zur Gemeinschaft:

„Manchmal nehme ich den Menschen weg und nehme die Umgebung nicht weg.

Manchmal nehme ich die Umgebung weg und nehme den Menschen nicht weg.

Manchmal nehme ich beide weg, sowohl den Menschen als auch die Umgebung.

Manchmal nehme ich weder den Menschen noch die Umgebung weg.“

Die erste Aussage beschreibt einen Zustand bei dem ich ganz in meiner Tätigkeit aufgehe, wenn ich eben nur schreibe, nur wasche, nur kehre. Bei einer Arbeitsmeditation oder auch bei einer ganz üblichen Hausarbeit oder auch Lohnarbeit kann das Ich ganz verschwinden und die Zeit vergeht wie im Flug.

Die zweite Aussage beschreibt den Vorgang bei einer Meditation wenn ich die Aufmerksamkeit ganz nach innen richte, zb auf den Atem. Dann bleibt der Mensch bestehen aber die äußeren Eindrücke treten zurück, sie sind wie weggenommen wenn die Geistberuhigung eintritt.

Die dritte Aussage ist eine über die beiden ersten hinausgehende. Es kann gelingen den Gegensatz zwischen Innen und Außen aufzuheben und einen Blick in die Nicht-Dualität zu erreichen in der alle Phänomene als leer im Sinne von ohne beständiges Selbst seiend, erkannt werden. Auch eine solche seltene und tiefe Erfahrung ist nicht von Dauer und man kehrt in die Alltagswelt zurück.

Die vierte Aussage beschreibt die Symbiose von der Erfahrung der Leerheit und dem ganz in der Welt sein. Achtsamkeit würde im Tiefsten bedeuten, sich selbst und seiner Umgebung voll bewusst zu sein und nicht sich in der Tätigkeit zu verlieren oder wie manchmal in der Sitzmeditation ausschließlich bei sich zu sein. Aus buddhistischer  Sicht wäre es ein Ziel  sein Ego dabei gleichzeitig als Illusion zu durchschauen.

Als normal arbeitende ,nicht erleuchtete‘ Menschen ist es schon sehr hilfreich zu versuchen sich nicht in Träumereien und Grübeleien zu verlieren oder ohne Bewusstheit in die Arbeit abzugleiten sondern sich und seiner Tätigkeit bewusst zu sein.

Wobei ein Irrtum oft vorkommt, nämlich dass im „Hier und Jetzt“ sein, bedeutet einfach in den Tag hinein zu leben und sich von momentanen Gefühlen und Eindrücken überwältigen zu lassen.

Gerade der Buddha hat in seiner Lehre „ Über die Kenntnis vom besseren Weg allein zu leben“ zwischen richtiger und falscher Achtsamkeit unterschieden.

Falsch ist es „der Vergangenheit nachzulaufen, sich in der Zukunft zu verlieren oder sich von der Gegenwart hinweg treiben zu lassen.“

Die beiden ersten Aussagen sprechen für sich selbst. Denn es gibt keine andere Zeit in der ich handeln und leben kann als die Gegenwart. Die Vergangenheit ist nicht mehr änderbar und die Zukunft immer von Unwägbarkeiten mitgeprägt. Sich im Grübeln und Träumen zu verlieren ist daher lähmend für die Gegenwart. Wer sich aber Gedanken macht ohne anzuhaften ist achtsam. Daher bedeutet Achtsamkeit nicht in den Tag hinein zu leben sondern ohne Anhaftung und im Bewusstsein der momentanen Zustände in mir und der äußeren Bedingungen zu handeln. Dabei ist die Erkenntnis von Ursache und Wirkung notwendig, um heilsam für mich und die Umwelt zu agieren, denn wenn ich erkenne dass der Moment geprägt ist von vielen vergangenen Handlungen und es daher nicht egal ist was ich tue, kann ich mich darin üben positive Handlungen zu setzen. Aus der Vergangenheit lernend, handle ich so dass in der Zukunft positive Ergebnisse möglich sind. Wobei mir der übende und daher liebevolle Umgang mit sich selbst wichtig ist um in einer freundlichen Gelassenheit mögliche Rückschläge auffangen zu können ohne das Einüben der Achtsamkeit ganz bleiben zu lassen. Immer wieder neu beginnen, neu üben, hält die Praxis frisch und hat die dauerhaftesten Ergebnisse.

Achtsamkeit ist die übliche deutsche Übersetzung des Pali Begriffs „sati“ , eigentlich ein Begriff aus den indischen Veden im Sinne von sich erinnern, sich besinnen oder ins Gedächtnis rufen der durch den Buddha eine Bedeutungserweiterung erfuhr in Richtung Geistesgegenwart und Gewahrsein. Mir gefällt die Definition von Tich Nhat Hanh, einem vietnamesischen Zen-Lehrer am besten, der von einem klaren Blick was in uns und um uns ist, spricht.

Nachdem das deutsche Wort Achtsamkeit auch ursprünglich für Achtgeben verwendet wurde bekommt es in diesem neuen Sinne ebenfalls eine Bedeutungserweiterung, welche aber für Missverständnisse anfällig ist. Im englischen wurde für „sati“ ein neues Kunstwort geschaffen und mit dieser buddhistisch inspirierten Bedeutung aufgeladen, nämlich „mindfulness“. Dieses Wort ist vermutlich weniger gefährdet mit anderen Bedeutungen verwechselt zu werden wie die deutsche Achtsamkeit die auch oft gleich wie Aufmerksamkeit verwendet wird. Mir geht es aber nicht einfach um eine Konzentrationsübung, wenn auch das wichtig ist. Denn ich kann auch konzentriert und aufmerksam allerlei Unheilsames und Gefährliches vollbringen wie Taschendiebstahl, der oft sehr aufmerksam und einfühlsam durchgeführt wird. Die Frage was verringert Leid für mich und für die Umwelt ist daher ein wesentlicher zusätzlicher Parameter für Achtsamkeit. Nachdem das Wort Achtsamkeit aber eingeführt ist versuche ich nicht ein persönliches Kunstwort zu erschaffen sondern eine Annäherung an den ursprünglichen Pali-Begriff um den heutigen Anforderungen zu entsprechen. Sprache wandelt sich und Begriffe wandeln ihre Bedeutung mit.

Gerade im Gesundheitswesen und der Therapie gewinnt Achtsamkeit immer größere Bedeutung. Der US- Molekularbiologe Jon Kabat-Zinn entwickelte ein von buddhistischer Achtsamkeits-Meditation stark beeinflusstes Trainingsprogramm zur Stressreduktion mit dem Namen Mindfulness-Based-Stress-Reduction kurz MBSR. Ausgangspunkt war hier die Vipassana (Einsicht, Verständnis)-Meditation, bei der Körper, Geist und die Phänomene der Umwelt analytisch untersucht werden. Ziel dieser Meditation ist es zu der tief gehenden Einsicht zu gelangen dass alle Erscheinungen von Vergänglichkeit und keinem dauerhaften Selbst geprägt sind.

Beim MBSR-Intensivtraining, welches acht Wochen dauert werden in der Stress Reduction Clinic neben Bluthochdruck, chronischen Schmerzen und anderen Krankheiten, bei denen Stressbelastung nachweislich eine Rolle spielt auch, allerdings als Zusatztherapie, schwere Krankheiten wie Krebs oder Aids behandelt. Dabei wird wöchentlich ein zweistündiger Kurs besucht, bei dem neben Formen der Achtsamkeitsmeditation auch Achtsamkeit in belastenden Situationen und bei sozialen Interaktionen geübt wird. Die Wirkungsforschung zeigt, daß eine regelmäßige Praxis zu einer verbesserten Aufmerksamkeits- und vor allem Emotionsregulation führt. Ob diese Effekte dazu beitragen Krankheiten zu verlangsamen oder gar zu heilen ist noch nicht nachgewiesen. Es existieren aber sehr viele Studien, die den Einsatz als sinnvoll ausweisen und so wird MBSR in hunderten Kliniken und Gesundheitszentren angewandt.

Die gute Botschaft für gesunde Menschen ist, dass sich Stress reduzieren lässt und damit belastende Situationen in Richtung Zufriedenheit und Gelassenheit verändert werden können und damit auch Erschöpfungsdepressionen vorgebeugt werden können.

Aber nicht nur dieses Programm zeigt, dass es möglich ist Achtsamkeit zu schulen. Erste Erfolge zeigen sich bei einem durchschnittlich gestressten Büromenschen oft schon nach einer Woche.

Wenn ich täglich innehalte und drei bis viermal bewusst die Aufmerksamkeit bündle wird es mir nach einer Woche schon deutlich leichter fallen. Einmal am Tag sollte zwischen 10 – 25 Minuten eine absichtslose Innenschau erfolgen – beispielsweise nur den Atem beobachten, ein und aus…, ganz bei mir bleiben. Mir selbst ist es am leichtesten gefallen wenn ich den Atem gezählt habe ein 1, aus 2 und so weiter bis 10 und dann wieder beginne. Falls ein Gedanke kommt, einfach bei 1 wieder beginnen, die Gedanken kommen und sie gehen auch wieder…..

Bei den übrigen Versuchen ganz im Hier und jetzt zu sein ist es wichtig tatsächlich bei der Sache zu bleiben. Nicht während ich meine Mails bearbeite, Zeitung lesen einen fiktiven Dialog führen oder den Einkauf planen. Nur dieses Eintauchen in die Tätigkeit oder die ruhige Innenschau und Atembeobachtung übt unsere Aufmerksamkeit. Trotzdem kommen sicher Gedanken. Hier gilt eben, nicht ärgern nur wahrnehmen, sie kommen und gehen wie Wolken die vorbeiziehen, manchmal schneller manchmal langsamer. Dabei ist es oft erstaunlich wie schnell erhaben Gedanken über den Sinn der Welt oder über die Liebe wieder gehen und wie hartnäckig sich das neue Sofa hält. Aber alle Vorstellungen verschwinden wenn man die Aufmerksamkeit neu ausrichtet.

Auch Tätigkeiten im Haushalt wie Staubsaugen oder Staub wischen etc. eigen sich um Achtsamkeit zu üben.

Gerade im Zen wird das Üben im Alltag sehr geschätzt, worüber auch einige Buchtitel Auskunft geben, wie “Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten“ oder “Zen und die Kunst des Bogenschiessens“.

Neben den alltäglichen und persönlichen Wirkungen bei der Entwicklung von Achtsamkeit, haben die positiven Auswirkungen auf die Mitmenschen und die Umwelt für mich auch eine gesellschaftliche Relevanz. Denn die Ellbogengesellschaft ist auf jene Menschen angewiesen, die unachtsam zu sich und den Anderen sind. Wenn aber mehrere/viele dieses Muster durchbrechen sind große Veränderungen möglich, denn jeder dauerhafte Wandel braucht Änderungen in der äußeren Welt und im inneren Erleben, wobei beides wechselseitig Ursache und Wirkung sein kann und ist.

Dazu ist aber Übung notwendig. Auch dieser Weg ist harte Arbeit, die sich lohnt weil das Ergebnis ist, dass man Gedankenketten unterbrechen und negative Emotionen fallen lassen kann und der/die Übende dadurch freier wird. Freundliche Gelassenheit mit den eigenen Unvollkommenheiten kann helfen, sich nicht zu überfordern und die notwendige Konsequenz aufzubringen. Im Nachhinein wird nach Jahren der Übung auch Achtsamkeit ähnlich wie Schifahren, Kochen oder Tanzen leicht und anstrengungslos. Wichtig ist anzufangen, möge die Übung gelingen. 

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